
Wir sitzen in einem Café in Budapest, genauer gesagt im fünften Bezirk, unweit der Freiheitsbrücke. Vor uns ein Espresso, neben uns ein Laptop, auf dem Bildschirm eine Webseite mit einem ungewöhnlichen Namen: der Budapester. Es ist nicht das erste Mal, dass wir auf einen Berater stoßen, der sich selbst mit einem Ortsnamen identifiziert – in Singapur gab es den „Straits Consultant”, in Dubai den „Sheikh’s Advisor”. Doch dieser hier, der Budapester, trägt seinen Namen mit einer Mischung aus Understatement und Präzision, die typisch ist für jemanden, der zwischen den Welten navigiert: zwischen deutscher Gründlichkeit und ungarischer Pragmatik, zwischen EU-Recht und lokaler Geschäftskultur.
Wir sind hierher gekommen, weil uns eine Frage umtreibt: Warum gründen gerade jetzt so viele Unternehmer ihre Gesellschaften in Ungarn? Und warum ausgerechnet mit Hilfe eines Beraters, der sich „der Budapester” nennt?
Der Budapester – das klingt nach jemandem, der angekommen ist, der die Stadt kennt wie seine Westentasche und der weiß, wo die Stolpersteine liegen. Tatsächlich ist es genau das: eine Unternehmensberatung, die sich auf die Gründung und Verwaltung von Gesellschaften in Ungarn spezialisiert hat. Keine Hochglanzagentur mit Glasfassade, sondern eine Operation, die funktioniert, weil sie versteht, wie Ungarn tickt – und warum das Land für Gründer gerade jetzt so attraktiv geworden ist.
Wir erinnern uns an ein Gespräch in Tallinn vor zwei Jahren. Damals saß uns ein estnischer E-Residency-Berater gegenüber, der stolz von der digitalen Zukunft erzählte. Estland war das Versprechen: papierlos, schnell, europäisch. Doch inzwischen hat sich etwas verschoben. Während Estland weiterhin punktet mit seiner digitalen Infrastruktur, hat Ungarn etwas anderes zu bieten – eine Kombination aus steuerlicher Attraktivität, geografischer Lage und einem Beratungsnetzwerk, das Gründern die bürokratischen Hürden abnimmt.
Die Antwort liegt in einer Reihe von Faktoren, die erst im Zusammenspiel ihre volle Wirkung entfalten. Erstens: Ungarn hat mit neun Prozent eine der niedrigsten Körperschaftsteuersätze in der gesamten Europäischen Union. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Satz bei rund 30 Prozent, wenn man Gewerbesteuer und Solidaritätszuschlag einrechnet. In Frankreich sind es über 25 Prozent. Neun Prozent klingen da fast schon wie eine Einladung.
Zweitens: Ungarn ist Mitglied der EU. Das bedeutet Zugang zum Binnenmarkt, Rechtssicherheit nach europäischen Standards und die Möglichkeit, Geschäfte in allen 27 Mitgliedstaaten zu tätigen, ohne Zollschranken oder Währungsrisiken. Wer in Budapest eine Gesellschaft gründet, gründet nicht in einem exotischen Steuerparadies, sondern mitten in Europa – mit allen Vorteilen, die das mit sich bringt.
Drittens: Die Lebenshaltungskosten sind niedriger als in den meisten westeuropäischen Ländern. Wer vor Ort arbeitet, merkt das sofort – bei der Miete, beim Essen, bei den Dienstleistungen. Das macht Budapest nicht nur als Firmensitz attraktiv, sondern auch als Standort für Teams, Büros oder Produktionsstätten.
Und viertens – das ist der Punkt, den viele übersehen – gibt es in Ungarn eine wachsende Infrastruktur von Beratern, Anwälten und Dienstleistern, die den Gründungsprozess professionalisiert haben. Hier kommt der Budapester ins Spiel.
Wir klicken uns durch die Webseite. Kein Marketing-Geschrei, keine vollmundigen Versprechen. Stattdessen eine klare Ansage: Der Budapester bietet Unterstützung bei der Gründung von Gesellschaften in Ungarn – von der ersten Beratung über die Registrierung bis hin zur laufenden Verwaltung. Das Angebot richtet sich an Unternehmer, die den Schritt nach Ungarn wagen wollen, aber weder die Sprache sprechen noch die lokalen Gepflogenheiten kennen.
Konkret heißt das: Der Budapester übernimmt die Kommunikation mit Behörden, kümmert sich um die Registrierung beim ungarischen Handelsregister, organisiert Geschäftsadressen und vermittelt Kontakte zu Steuerberatern und Buchhaltern. Für viele Gründer ist das der entscheidende Faktor – nicht die Steuersätze allein, sondern die Gewissheit, dass jemand vor Ort ist, der die Fäden in der Hand hält.
Wir denken an ein ähnliches Modell, das wir vor Jahren in Hongkong kennengelernt haben. Dort gab es sogenannte „Company Secretaries”, die für ausländische Gründer die administrativen Aufgaben übernahmen. Das Prinzip ist dasselbe: Jemand, der die Sprache spricht, die Behörden kennt und weiß, welche Formulare wann und wie ausgefüllt werden müssen. In einer Stadt wie Budapest, wo Ungarisch die Amtssprache ist und Englisch längst nicht überall selbstverständlich, kann das den Unterschied machen zwischen einer reibungslosen Gründung und monatelangem Papierkampf.
Es gibt Momente, in denen sich Gelegenheiten öffnen – nicht für immer, aber für eine Weile. Ungarn erlebt gerade so einen Moment. Die politische Lage in Europa ist im Fluss, die Digitalisierung ermöglicht es, Geschäfte von überall aus zu führen, und die steuerlichen Rahmenbedingungen in vielen westeuropäischen Ländern werden zunehmend restriktiver. Gleichzeitig suchen Unternehmer nach Alternativen, die nicht in Übersee liegen, sondern innerhalb der EU – aus rechtlichen, logistischen und strategischen Gründen.
Hinzu kommt: Ungarn hat in den letzten Jahren seine Verwaltung modernisiert. Die Gründung einer Gesellschaft ist heute deutlich schneller möglich als noch vor zehn Jahren. Wer die richtigen Partner hat – und hier kommt wieder der Budapester ins Spiel – kann innerhalb weniger Wochen eine voll funktionsfähige Gesellschaft aufbauen.
Wir erinnern uns an ein Gespräch in Lissabon, wo uns ein portugiesischer Gründer erzählte, dass er seine Firma nach Malta verlagert hatte – aus steuerlichen Gründen. Doch Malta, so seine Erfahrung, sei inzwischen überlaufen, die Preise gestiegen, die Behörden überfordert. Ungarn, sagte er, sei die nächste Welle. Und vielleicht hat er recht.
Nicht jeder Unternehmer braucht eine ungarische Gesellschaft. Wer ein lokales Geschäft in Deutschland betreibt, eine Bäckerei in München oder eine Schreinerei in Hamburg, wird kaum einen Vorteil darin sehen, nach Budapest zu gehen. Aber für bestimmte Unternehmenstypen macht es durchaus Sinn: E-Commerce-Betreiber, die europaweit verkaufen. Berater und Dienstleister, die digital arbeiten und keine physische Präsenz benötigen. Softwareentwickler, die ihre Produkte über das Internet vertreiben. Investoren, die Holdings aufbauen wollen. All diese Gruppen profitieren von den niedrigen Steuersätzen, der EU-Mitgliedschaft und der Möglichkeit, ihre Struktur flexibel zu gestalten.
Der Budapester richtet sich genau an diese Zielgruppe. Keine Massenfertigung, keine standardisierten Pakete – sondern individuelle Beratung für Gründer, die wissen, was sie wollen, aber nicht wissen, wie sie es in Ungarn umsetzen.
Wir haben uns gefragt: Was unterscheidet den Budapester von anderen Beratern? Die Antwort liegt vermutlich in der Spezialisierung. Während viele internationale Kanzleien Ungarn als einen von vielen Standorten behandeln, konzentriert sich der Budapester ausschließlich auf diesen Markt. Das bedeutet: tiefes lokales Wissen, etablierte Netzwerke, kurze Wege zu Behörden und Dienstleistern.
Es bedeutet auch: eine gewisse Bodenhaftung. Wer sich „der Budapester” nennt, macht keine Versprechungen über Nacht-Reichtum oder Steuerfreiheit. Stattdessen geht es um solide, nachhaltige Strukturen – Gesellschaften, die funktionieren, die rechtssicher sind und die langfristig Bestand haben.
Wer mit dem Gedanken spielt, eine Gesellschaft in Ungarn zu gründen, sollte sich zunächst über die eigenen Ziele klar werden. Geht es um Steueroptimierung? Um eine Holding-Struktur? Um den Zugang zum EU-Markt? Je klarer die Zielsetzung, desto präziser kann die Beratung ausfallen.
Der nächste Schritt ist die Wahl der Rechtsform. In Ungarn sind vor allem die Kft. (vergleichbar mit der deutschen GmbH) und die Zrt. (vergleichbar mit der AG) verbreitet. Die Kft. ist für die meisten Gründer die sinnvollere Wahl – flexibel, kostengünstig, mit begrenzter Haftung.
Danach folgt die Registrierung: Gesellschaftsvertrag aufsetzen, Geschäftsadresse organisieren, Eintragung ins Handelsregister beantragen. All das kann komplex sein, wenn man nicht vor Ort ist und die Sprache nicht spricht. Hier übernimmt der Budapester die Koordination.
Wir haben in den letzten Jahren viele solcher Gelegenheitsfenster gesehen – und viele davon wieder schließen sehen. Irland war einmal das Steuerparadies für Tech-Firmen, bis die EU-Kommission eingriff. Zypern war ein beliebter Standort für Holdings, bis internationale Abkommen die Spielräume verkleinerten. Ungarn ist kein Geheimtipp mehr, aber es ist auch noch nicht überlaufen. Die Frage ist: Wie lange bleibt das so?
Wer jetzt gründet, profitiert von einem Umfeld, das noch nicht reguliert wurde, das noch nicht von Massen entdeckt wurde, das noch funktioniert, weil es funktioniert – und nicht, weil es beworben wird. Der Budapester ist Teil dieses Umfelds: ein Berater, der arbeitet, weil es Bedarf gibt, nicht weil es Mode ist.
Wir klappen den Laptop zu, zahlen den Espresso und gehen hinaus auf die Straße. Die Donau glitzert in der Nachmittagssonne, auf der anderen Seite thront das Parlament. Irgendwo in dieser Stadt werden gerade Gesellschaften gegründet, Verträge unterschrieben, Geschäfte aufgebaut. Und irgendwo sitzt der Budapester und koordiniert, berät, vermittelt – ein Mann zwischen den Welten, der weiß, dass Gelegenheiten nicht ewig währen, aber dass sie, solange sie da sind, genutzt werden sollten.