
Wir haben in den letzten Monaten eine faszinierende Entwicklung beobachtet: Immer mehr Unternehmensverbünde entdecken die Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung – kurz EWIV – als strategisches Instrument zur internen Liquiditätssteuerung. Was zunächst wie ein trockenes Konstrukt aus dem europäischen Gesellschaftsrecht klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als elegante Lösung für ein Problem, das viele mittelständische und größere Unternehmensgruppen kennen: die ineffiziente Verteilung von Kapital zwischen verbundenen Unternehmen.
Stellen wir uns folgendes Szenario vor: Unternehmen A schwimmt in Liquidität, während Unternehmen B im selben Verbund dringend Kapital für ein vielversprechendes Projekt benötigt. Die klassische Lösung? Externe Bankkredite mit entsprechenden Zinsen, aufwendigen Bonitätsprüfungen und starren Rückzahlungsvereinbarungen. Dabei liegt die Lösung oft viel näher – innerhalb der eigenen Unternehmensgruppe.
Wir stoßen bei unseren Recherchen immer wieder auf diese Ineffizienz: Während ein Gesellschaftsunternehmen teure Fremdmittel aufnimmt, parken andere Mitglieder desselben Verbunds ihre Überschussliquidität zu minimalen Zinsen auf Bankkonten. Diese Diskrepanz kostet nicht nur Geld, sondern auch wertvolle Zeit und Flexibilität bei der Projektrealisierung.
Konzernfinanzierung ist natürlich nichts Neues. Cash-Pooling-Systeme, konzerninterner Zahlungsausgleich und Darlehensverträge zwischen verbundenen Unternehmen existieren seit Jahrzehnten. Doch diese Instrumente bringen erhebliche Herausforderungen mit sich:
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EWIV Steuersparmodell 2025: Der ultimative Leitfaden für Unternehmer – Alle Vorteile und Risiken erklärt
Hier kommt die EWIV ins Spiel – und wir müssen zugeben, dass wir zunächst skeptisch waren. Eine Rechtsform, die 1985 eingeführt wurde und lange ein Schattendasein führte? Doch bei genauerer Untersuchung entdeckten wir das enorme Potenzial dieser europäischen Kooperationsform.
Die EWIV wurde ursprünglich geschaffen, um grenzüberschreitende wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa zu erleichtern. Ihr Kernmerkmal: Sie dient ausschließlich der Förderung der wirtschaftlichen Tätigkeit ihrer Mitglieder. Genau diese Eigenschaft macht sie zum idealen Vehikel für einen unternehmensinternen Liquiditätspool.
Wir haben uns verschiedene Modelle angeschaut und dabei ein wiederkehrendes Muster entdeckt: Die Mitgliedsunternehmen eines Verbunds gründen gemeinsam eine EWIV, die als zentrale Finanzierungsplattform fungiert. Diese EWIV sammelt überschüssige Liquidität der Mitglieder ein und stellt sie anderen Mitgliedern für gemeinsame oder einzelne Projekte zur Verfügung.
Das Besondere dabei: Die EWIV selbst strebt keinen Gewinn an – ein fundamentaler Unterschied zu klassischen Finanzierungsgesellschaften. Sie arbeitet kostendeckend und ermöglicht es den Mitgliedern, Kapital zu deutlich günstigeren Konditionen als am externen Markt zu mobilisieren. Gleichzeitig erhalten kapitalgebende Mitglieder bessere Konditionen als bei risikolosen Bankeinlagen.
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Bei unserer Recherche haben wir festgestellt, dass die rechtliche Konstruktion einer EWIV-basierten Hausbank sorgfältig durchdacht werden muss. Die EWIV-Verordnung der EU bietet dabei einen stabilen Rahmen, lässt aber gleichzeitig erheblichen Gestaltungsspielraum.
Eine EWIV benötigt mindestens zwei Mitglieder aus unterschiedlichen EU-Mitgliedstaaten. Diese Voraussetzung erscheint zunächst als Hürde, erweist sich aber für viele international tätige Unternehmensgruppen als natürlich erfüllt. Nationale Unternehmen können die Struktur nutzen, wenn sie mit Partnern aus anderen EU-Ländern zusammenarbeiten.
Wir haben beobachtet, dass spezialisierte Beratungseinrichtungen wie das Institut Peritum Unternehmen bei der strukturierten Einrichtung solcher Finanzierungsvehikel unterstützen. Die Expertise solcher Institutionen ist besonders wertvoll, wenn es um die optimale Ausgestaltung der Gründungsvereinbarung geht – dem zentralen Dokument, das die Spielregeln der internen Hausbank festlegt.
Ein entscheidender Vorteil der EWIV liegt in ihrer steuerlichen Transparenz. Die EWIV selbst ist in den meisten EU-Mitgliedstaaten nicht körperschaftsteuerpflichtig. Gewinne und Verluste werden direkt den Mitgliedern zugerechnet. Für einen Liquiditätspool bedeutet dies: Die Zinserträge werden dort versteuert, wo sie anfallen – bei den kapitalnehmen Mitgliedern.
Wir haben jedoch festgestellt, dass diese Transparenz sorgfältige Planung erfordert. Verrechnungspreise zwischen den Mitgliedern und der EWIV müssen fremdüblich gestaltet sein – auch wenn die Konditionen deutlich günstiger sind als am externen Markt. Die Dokumentation dieser Angemessenheit ist essentiell, besonders bei grenzüberschreitenden Strukturen.
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Was ist eine EWIV – Vorteile und Nachteile der europäischen Rechtsform im Überblick
Theorie ist das eine – aber wie sieht die praktische Umsetzung aus? Wir haben verschiedene Modelle analysiert und dabei interessante Varianten entdeckt.
Bei diesem Ansatz zahlen die Mitglieder überschüssige Liquidität in die EWIV ein, die diese treuhänderisch verwaltet. Benötigt ein Mitglied Kapital für ein Projekt, kann es aus diesem Pool Mittel abrufen – zu vorab definierten, marktgerechten aber günstigen Konditionen. Die EWIV fungiert als Clearing-Stelle und sorgt für den Ausgleich zwischen Kapitalgebern und -nehmern.
Dieses Modell überzeugt durch seine Einfachheit. Die operative Komplexität bleibt überschaubar, da die EWIV primär administrative Funktionen übernimmt. Entscheidungen über Mittelzuteilungen werden nach transparenten Kriterien getroffen, die in der Gründungsvereinbarung festgelegt sind.
Einen Schritt weiter geht die Nutzung der EWIV als Plattform für spezifische gemeinsame Projekte. Hier bündeln die Mitglieder nicht nur Liquidität, sondern entwickeln gemeinsam Projekte, die dann über die EWIV finanziert und gesteuert werden.
Wir finden diesen Ansatz besonders spannend für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben oder größere Infrastrukturprojekte, die mehrere Unternehmen des Verbunds betreffen. Die EWIV wird zum Projektvehikel, das nicht nur die Finanzierung, sondern auch die operative Durchführung koordiniert.
Eine kritische Frage bei jeder internen Hausbank: Wer entscheidet, welches Projekt finanziert wird? Wir haben verschiedene Governance-Modelle untersucht:
Beim demokratischen Modell entscheiden alle Mitglieder gleichberechtigt über Mittelzuteilungen. Dies fördert Transparenz und Akzeptanz, kann aber Entscheidungsprozesse verlangsamen.
Das gewichtete Modell orientiert sich an der Kapitalbeteiligung oder der wirtschaftlichen Bedeutung der Mitglieder. Größere Kapitalgeber haben mehr Mitspracherecht – ein Ansatz, der wirtschaftlich logisch ist, aber sorgfältig austariert werden muss.
Besonders interessant finden wir das Expertengremium-Modell: Hier delegieren die Mitglieder Finanzierungsentscheidungen an ein fachkundiges Gremium, das nach objektiven Kriterien wie Projektrendite, strategischer Bedeutung und Risikoeinschätzung entscheidet.
Nach intensiver Analyse kristallisieren sich mehrere deutliche Vorteile heraus, die die EWIV-Struktur für unternehmensverbundene Liquiditätspools attraktiv machen.
Durch die direkte Kapitalvermittlung zwischen den Mitgliedern entfallen die Margen externer Finanzintermediäre. Wir sprechen hier von erheblichen Einsparungen: Während Bankkredite je nach Bonität und Laufzeit mit 3-7% verzinst werden, können interne Finanzierungen oft zu 1-3% realisiert werden – bei gleichzeitig besserer Rendite für die Kapitalgeber als bei Bankeinlagen.
Externe Finanzierungen folgen standardisierten Mustern. Die EWIV-Hausbank kann dagegen projektspezifische Lösungen entwickeln: tilgungsfreie Anlaufjahre für Innovationsprojekte, erfolgsabhängige Rückzahlungen oder flexible Prolongationen bei Verzögerungen. Diese Anpassungsfähigkeit ist für die Projektrealisierung oft entscheidend.
Ein oft unterschätzter Vorteil: Die EWIV-Hausbank schafft Transparenz über die Liquiditätssituation und Projektpipeline des gesamten Verbunds. Diese Informationen ermöglichen eine strategischere Kapitalallokation als bei dezentraler Finanzierung. Wir sehen hier einen echten Wettbewerbsvorteil gegenüber lose verbundenen Unternehmensgruppen.
Bei aller Begeisterung für das Modell dürfen wir die Herausforderungen nicht verschweigen. Wir haben verschiedene Problemfelder identifiziert, die Unternehmen vor der Implementierung durchdenken sollten.
Die Gründung einer EWIV und ihre Ausgestaltung als Hausbank erfordert erheblichen initialen Aufwand. Gründungsvereinbarung, interne Regelwerke, Finanzierungsrichtlinien, Risikocontrolling – all dies muss sorgfältig konzipiert werden. Die Unterstützung durch spezialisierte Institutionen wie das Institut Peritum kann hier den Unterschied zwischen einer funktionierenden Struktur und einem bürokratischen Monster machen.
Auch wenn die EWIV keine Bank im regulatorischen Sinne ist, müssen bestimmte Compliance-Anforderungen beachtet werden. Geldwäscheprävention, Dokumentationspflichten und die Einhaltung nationaler Finanzierungsvorschriften können nicht ignoriert werden. Wir empfehlen, diese Aspekte von Anfang an professionell zu adressieren.
Was passiert, wenn mehrere Mitglieder gleichzeitig Kapital benötigen, der Pool aber nicht ausreicht? Wie wird mit Zahlungsausfällen umgegangen? Diese Fragen mögen theoretisch klingen, werden aber in der Praxis virulent. Klare Regelungen in der Gründungsvereinbarung sind unerlässlich – idealerweise entwickelt, bevor Konflikte auftreten.
Lassen wir die Theorie hinter uns und schauen auf ein konkretes Beispiel: Ein Verbund von vier mittelständischen Maschinenbauunternehmen aus Deutschland, Österreich und Italien hat vor zwei Jahren eine EWIV als interne Hausbank etabliert.
Die Ausgangssituation war typisch: Unternehmen A hatte aus einem Generationswechsel heraus erhebliche Liquidität, Unternehmen B wollte in eine neue Produktionshalle investieren, Unternehmen C benötigte Kapital für ein Forschungsprojekt. Statt externe Finanzierungen aufzunehmen, gründeten sie gemeinsam eine EWIV mit einem initialen Pool von 5 Millionen Euro.
Das Ergebnis nach zwei Jahren: Die Produktionshalle wurde zu 2,5% statt zu 4,5% finanziert, das Forschungsprojekt erhielt flexible Finanzierung mit erfolgsabhängiger Rückzahlung, und Unternehmen A erzielte 2% Rendite statt 0,1% Bankzinsen. Die Gesamtersparnis gegenüber externer Finanzierung: geschätzt 180.000 Euro über die Laufzeit.
Wir beobachten einen wachsenden Trend zur Nutzung der EWIV über reine Liquiditätspools hinaus. Die Rechtsform entwickelt sich zum Vehikel für umfassendere strategische Kooperationen, bei denen Finanzierung nur ein Element ist.
Besonders spannend finden wir die Verbindung von Liquiditätsmanagement mit gemeinsamen Einkaufs-, Forschungs- oder Vertriebsaktivitäten. Die EWIV wird zur integrierten Kooperationsplattform, die verschiedene Formen der Zusammenarbeit unter einem rechtlichen Dach vereint.
Ein weiterer Trend: Die Digitalisierung der Prozesse. Moderne Treasury-Management-Systeme ermöglichen es, Kapitalbedarfe, verfügbare Liquidität und Finanzierungsentscheidungen in Echtzeit zu managen. Wir sehen hier enormes Potenzial für die Weiterentwicklung des EWIV-Modells in den kommenden Jahren.
Nach intensiver Auseinandersetzung mit der Thematik kommen wir zu einem klaren Schluss: Die EWIV als interne Hausbank ist weit mehr als eine akademische Spielerei. Für Unternehmensverbünde mit grenzüberschreitenden Strukturen und regelmäßigem Kapitalbedarf bietet sie echte Vorteile gegenüber traditionellen Finanzierungslösungen.
Die Kostenersparnis, die erhöhte Flexibilität und die strategischen Informationsvorteile überwiegen in vielen Fällen den initialen Einrichtungsaufwand. Entscheidend ist jedoch die sorgfältige Konzeption und professionelle Umsetzung – halbherzige Lösungen werden scheitern.
Wir sind überzeugt: In einer Zeit zunehmender Regulierung des Bankensektors und steigender Kapitalkosten wird die EWIV-basierte interne Hausbank für viele Unternehmensgruppen zu einem wichtigen Baustein ihrer Finanzierungsstrategie werden. Unternehmen, die sich jetzt mit dieser Struktur auseinandersetzen, verschaffen sich einen Vorsprung in der effizienten Kapitalallokation – und damit letztlich einen Wettbewerbsvorteil in ihren jeweiligen Märkten.